Die Reise durch Europa und darüber hinaus


News Redaktion
Sport / 10.06.21 06:03

Am Freitag beginnt in Rom die 16. Europameisterschaft. Sie steht im Zeichen der vielen Gastgeber und der teilweisen Rückkehr in die Normalität.

Der EM-Matchball findet seinen Weg bis nach Asien: Die Fussball-EM 2021 erstreckt sich über elf Länder und den Kontinent Europa hinaus (FOTO: KEYSTONE/AP/Darko Vojinovic)
Der EM-Matchball findet seinen Weg bis nach Asien: Die Fussball-EM 2021 erstreckt sich über elf Länder und den Kontinent Europa hinaus (FOTO: KEYSTONE/AP/Darko Vojinovic)

So richtig greifbar ist die Europameisterschaft noch nicht. Die Euphorie, die sonst einem solchen Grossanlass vorangeht, hat sich noch nicht breit gemacht. Keine Tiere, die den Turnierverlauf voraussagen, kaum Verkaufsstellen, die Fernseher verlosen. Ein Jahr Fussball fast ohne Zuschauer hat auf die Stimmung gedrückt. Oder vielleicht fühlt sich auch niemand so richtig verantwortlich für diese EM, die zum ersten Mal über den ganzen Kontinent (und darüber hinaus) verteilt stattfindet.

Dabei hätte alles viel schlimmer sein können in Zeiten des Coronavirus. Die Fallzahlen sinken seit Wochen, die erlaubten Zuschauerzahlen in den EM-Stadien steigen derweil. In Budapest wird die Arena voll sein. Und auch an den anderen zehn Spielorten ist mit einer Stimmung zu rechnen, die man kaum mehr kennt. Fans der spielenden Teams sind zugelassen, auch wenn sie die eine oder andere administrative Hürde nehmen müssen. Aus der Schweiz werden in Baku für den Auftakt am Samstag gegen Wales 300 Anhänger erwartet, vier Tage später in Rom 1500.

Auch wenn das Reisen komplizierter geworden ist, so scheint das Turnier der grossen Distanzen eher ein Vorteil zu sein. Die grossen Menschenansammlungen lassen sich eher verhindern, die Sicherheitskosten fallen gemässigter aus, als wenn ein Land die gesamte Organisation hätte stemmen müssen. Die Hauptlast trägt London, das im Wembley drei Gruppenspiele, zwei Achtelfinals, beide Halbfinals und den Final austrägt. Wie England profitieren auch die Mannschaften von Dänemark (mit Kopenhagen), Italien (Rom), Russland (St. Petersburg), der Niederlande (Amsterdam), Schottland (Glasgow), Spanien (Sevilla), Deutschland (München) und Ungarn (Budapest) zumindest teilweise von einem Heimvorteil.

Die Schweiz wird die weiten Wege gehen müssen. Das Team von Vladimir Petkovic bestreitet zwei Gruppenspielen am Kaspischen Meer in Baku (gegen Wales und die Türkei) und dazwischen eines in Rom (gegen Italien). Trotzdem ist das Tor zum Achtelfinal ziemlich weit offen, weil auch vier der sechs Gruppendritten weiterkommen. Das Überstehen der Vorrunde ist das Minimalziel für die Schweizer. Ihren eigenen Erwartungen wird die selbstbewusste Mannschaft allerdings nur gerecht, wenn sie nach mehreren fruchtlosen Versuchen mindestens eine K.o.-Runde übersteht. Letztmals gelang das der Schweiz bei einem grossen Turnier an der Heim-WM 1954.

Das spielerische Fundament der Schweiz lässt einiges erhoffen. Sie hat bewiesen, dass sie mit den Besten mithalten kann, muss aber auch zeigen, dass sie dann bereit ist, wenn es besonders zählt. Für die Wettanbieter gehören Granit Xhaka und seine Kollegen zum EM-Mittelmass. Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal, Deutschland, Spanien, Italien, Belgien und England werden favorisiert. Die Franzosen und die Engländer, die im besten Fall nur den Viertelfinal ausserhalb Londons spielen müssen, gehen mit einem Aufgebot auf Titeljagd, das mehr als eine Milliarde Euro wert hat. Am anderen Ende dieser Rangliste stehen die Turnier-Neulinge Finnland und Nordmazedonien.

Auch wenn die meisten Europäer, die Rang, Namen und hohen Marktwert haben, bei der zweiten EM mit 24 Mannschaften dabei sind, so gibt es doch den einen oder anderen schwergewichtigen Abwesenden. Der Niederländer Virgil van Dijk und der Schwede Zlatan Ibrahimovic fehlen verletzt. Sergio Ramos schaffte es nach einer schwierigen Saison nicht ins Kader der Spanier, und Erling Haaland verpasste mit Norwegen die Qualifikation.

Zusätzliche Ausfälle kann es in den kommenden Tagen rasch mal geben. Bei einem positiven Corona-Test muss der betroffene Spieler in Isolation, während der Rest der Mannschaft in der Bubble weiter trainieren darf. Ausser in Schottland: Dort muss bei einem positiven Test das gesamte Team in Quarantäne. Für alle Fälle hat die UEFA ein Protokoll. Es ist genau festgelegt, wann und wo Spiele unter Umständen nachgeholt werden.

Die UEFA will nichts dem Zufall überlassen, nachdem die Verschiebung ihres Vorzeigeturniers um ein Jahr schon zusätzliche Kosten verursacht hat und die teilweise ausfallenden Ticketing-Einnahmen auch den Gewinn mindern. Aber auch so kommen die Teilnehmer nicht zu kurz. 331 Millionen Euro werden insgesamt verteilt, 9,25 Millionen als Antrittsgage. Im besten Fall streicht der Europameister am 11. Juli im Wembley neben dem Pokal aus Sterlingsilber auch noch etwas über 28 Millionen Euro ein.

(sda)


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