Ehemaliges Willisauer Gefängnis öffnet Tore für Kunstschaffende


News Redaktion
Regional / 15.10.20 18:04

Seit einem Ausbruch dreier Häftlinge im Jahr 2010 steht das Gefängnis in Willisau LU leer. Nun regt sich wieder etwas in den Zellen: 13 Künstlerinnen und Künstler zeigen dort ab Donnerstag zeitgenössische Werke im Rahmen der Ausstellung "eingefangen und ausgestellt".

Ein Blick ins ehemalige Gefängnis Willisau: Das Werk
Ein Blick ins ehemalige Gefängnis Willisau: Das Werk "Tag 256" von Flavio Hodel anlässlich der Ausstellung "eingefangen und ausgestellt". (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Der Kanton Luzern verkaufte das 1895 erstellte, baufällige Amtsgebäude, in dem bis 2010 Häftlinge des Haft- und Untersuchungsgefängnisses Grosshof in Kriens vorübergehend untergebracht waren, an zwei Willisauer Baufirmen. Diese erweitern den denkmalgeschützten Bau zu Wohn- und Gewerbezwecken.

Bis es soweit ist, bringt der Verein Aktion Kultur Willisau im Sinne einer Zwischennutzung noch einmal Leben in die zehn Gefängniszellen. Er lässt Kunstschaffende die Einzel- und Doppelzellen sowie die Dachterrasse und Aufenthaltsräume bespielen.

Zu sehen sind Installationen, Malerei, Zeichnungen, Druck, Fotografie und Video. Eingeladen wurden Mirko Baselgia, Angela Erni, Lutz & Guggisberg, Samuel Herzog, Flavio Hodel, Moritz Hossli, Andrina Keller, Pollo7, QueenKong, Marco Russo, Franz Steinmann, Timo Ullmann und Romano Zaugg.

Die Veranstalter wollen einen Blick hinter die Fassaden des Gefängnisses gewähren und sprechen von einem einzigartigen Projekt, das sich durch den zwiespältigen genius loci auszeichne. Eindeutig genug von diesem besagten Geist des Ortes hatten drei Inhaftierte am Ostersonntag 2010.

Sie überwältigten einen Wärter, knebelten ihn und sperrten ihn in eine Zelle. Danach machten sie sich aus dem Staub. Den ersten Ausbrecher schnappte die Polizei zwei Tage später, ein zweiter wurde ein Jahr später in Albanien festgenommen. Der dritte ist noch immer flüchtig und international zur Verhaftung ausgeschrieben.

Nach dem Ausbruch - dem ersten aus diesem Gefängnis überhaupt und dem ersten im Kanton Luzern seit 1999 - wurden die restlichen Gefangenen umplatziert und das Gefängnis geschlossen.

Die Ausstellung ist bis am 8. November zu sehen. Parallel dazu organisiert eine Gruppe junger Kulturveranstalter an vier Samstagen Gespräche mit Expertinnen und Experten aus dem Gefängnis und Strafvollzug.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Britischer Staatsminister: Brexit-Handelspakt wird unwahrscheinlicher
International

Britischer Staatsminister: Brexit-Handelspakt wird unwahrscheinlicher

Im Brexit-Streit sind die Chancen auf einen Handelspakt mit der Europäischen Union aus Sicht der britischen Regierung gesunken. Brüssel sei nicht kompromissbereit, kritisierte Staatsminister Michael Gove am Sonntag im Interview des Senders Sky News. 

Fahrschüler flüchtet vor Freiburger Polizei und baut Unfall
Schweiz

Fahrschüler flüchtet vor Freiburger Polizei und baut Unfall

In der Nacht auf Montag hat sich in Châtel-St-Denis FR ein Fahrschüler einer Polizeikontrolle entziehen wollen. Die Flucht endete in Palézieux-Gare VD, wo der 19-Jährige mit seinem Auto in eine Bahnschranke prallte.

Zürcher Clubs bedroht von
Schweiz

Zürcher Clubs bedroht von "defacto amtlich verordneter Schliessung"

Zürcher Bars und Clubs leiden unter den neuen Vorgaben des Bundes zum Schutz vor dem neuen Corona-Virus. Die Nachtkultur-Betriebe sehen sich laut der Zürcher Bar & Club Kommission "defacto mit einer amtlich verordneten Schliessung" konfrontiert.

Zwist zwischen Ankara und Athen um Grenzen bei Seenotrettung
International

Zwist zwischen Ankara und Athen um Grenzen bei Seenotrettung

Die Türkei hat mit der Ausweitung von Seenotrettungsgebieten im Mittelmeer für neuerliche Spannungen mit dem Nachbarn und Nato-Verbündeten Griechenland gesorgt. Ankara erzeuge damit "Konfusion und setzt Menschenleben Gefahren aus", erklärte das griechische Aussenministerium am Sonntag. Die Türkei verteidigte die Ausweitung.