Israels Grüner Pass bringt Erleichterungen für Corona-Geimpfte


News Redaktion
International / 21.02.21 16:48

Israel hat am Sonntag spezielle Erleichterungen für Bürger eingeführt, die gegen das Coronavirus geimpft oder nach einer Erkrankung genesen sind.

Ein Mann nutzt bei der Wiedereröffnung eines Theaters in Tel Aviv am Eingang einen Bildschirm mit Gesichtserkennungssoftware zum Einlass. In Israel kann sich jeder Genesene sowie jeder Geimpfte einen Impfausweis online erstellen. Foto: Sara Lemel/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Sara Lemel)
Ein Mann nutzt bei der Wiedereröffnung eines Theaters in Tel Aviv am Eingang einen Bildschirm mit Gesichtserkennungssoftware zum Einlass. In Israel kann sich jeder Genesene sowie jeder Geimpfte einen Impfausweis online erstellen. Foto: Sara Lemel/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Sara Lemel)

Mit einem Grünen Pass dürfen sie unter anderem wieder Fitnessstudios, Hotels, Theater oder Sportereignisse besuchen. Gesundheitsminister Juli Edelstein schrieb bei Twitter, mehr als 3,2 Millionen Israelis könnten ab sofort diese Vorteile geniessen. Ziel ist es, die Wirtschaft im Land wieder anzukurbeln. Der Grüne Pass öffnet das Land schrittweise wieder, sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu am Samstagabend.

Die Impfkampagne in Israel ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr weit fortgeschritten. Das Land mit seinen 9,3 Millionen Einwohnern gilt als Vorreiter. Inzwischen kann sich jeder Bürger im Alter ab 16 Jahren impfen lassen. Die Infektionszahlen im Land sind weiterhin vergleichsweise hoch, in den vergangenen Wochen jedoch stetig gesunken.

Im Rahmen eines zweiten Öffnungsschritts nach einem wochenlangen Lockdown wurden am Sonntag auch Einkaufszentren, Museen, Bibliotheken und Gebetshäuser für Nicht-Geimpfte geöffnet. Dort müssen weiter die Corona-Regeln wie Maskenpflicht und Abstand eingehalten werden. Auch die Schulen wurden für weitere Klassen geöffnet.

In Israel kann sich jeder Genesene sowie jeder Geimpfte eine Woche nach der zweiten Impfung einen Impfausweis online erstellen. Persönliche Informationen sind mittels eines einfachen QR-Codes ablesbar. Besitzer eines solchen Impfausweises können sich dann einen Grünen Pass ausstellen lassen, unter anderem über eine spezielle App.

Am ersten Tag verlief allerdings nicht alles glatt: Die App Ramzor, über die man auf Smartphones den Grünen Pass erstellen kann, stürzte etwa bei zahlreichen Anwendern immer wieder ab. Das Gesundheitsministerium teilte daraufhin mit, in den ersten zwei Wochen könne alternativ auch der Impfausweis vorgezeigt werden.

Das Gesundheitsministerium hat mit der Polizei Massnahmen vereinbart, die Fälschungen verhindern sollen. Bei Verstössen drohen Unternehmen saftige Bussgelder, Fälschern des Grünen Passes hatte Gesundheitsminister Juli Edelstein sogar mit Haftstrafen gedroht.

Von Elternseite gab es heftige Kritik daran, dass in den Mittelschulen der Fernunterricht per Videokonferenz-Software Zoom weitergeht, während die Einkaufszentren bereits geöffnet sind. Auch Impfgegner kritisierten die Vorteile, die der Grüne Pass ermöglicht, als ungerecht und illegitimes Druckmittel seitens der Regierung.

Die Leiterin einer Fitness-Kette sprach dagegen am Sonntag von einer fantastischen Öffnung. Die Geimpften, die nach Monaten wieder im Studio Sport machen könnten, seien glücklich darüber, dass sie eine grüne Insel betreten, auf der ihnen keine Gefahr droht, sagte sie der Nachrichtenseite ynet.

Das israelische Nationaltheater Habima in Tel Aviv stellte nach der Wiedereröffnung am Sonntag am Eingang einen Bildschirm mit Gesichtserkennungssoftware auf. In der Corona-Krise können wir allen Einrichtungen helfen, die rasch sehr viele Leute einlassen und ihre Identität überprüfen müssen, erklärte Ejal Fischer vom Startup Preciate den Einsatz. Die Software brauche nur eine Sekunde für die Erkennung und könne auch Fälschungen verhindern, sagte Fischer. Theaterbesucher könnten ihren Ausweis mit Bild entweder online einscannen oder sich beim ersten Besuch vor Ort registrieren lassen. Dem Nationaltheater habe man die Software gespendet, sie koste für gewöhnlich monatlich bis zu 1500 Schekel (rund 380 Euro) pro Station mit Bildschirm.

Insgesamt wurden in Israel seit dem 19. Dezember rund 4,3 Millionen Erst- und fast drei Millionen Zweitimpfungen verabreicht. Zum Vergleich: Deutschland hat etwa neunmal so viele Einwohner wie Israel. Dort erhielten bislang knapp 3,2 Millionen Menschen eine erste und knapp 1,7 Millionen auch eine zweite Impfung.

(sda)


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